Ein klares Kontenmodell ist wie ein Navigationssystem für deine Finanzen: Es gibt dir Struktur, nimmt dir Entscheidungen im Alltag ab und macht den Weg zur finanziellen Freiheit deutlich leichter.
Warum ein Kontenmodell so mächtig ist
- Ein Kontenmodell trennt Emotion und Geld, weil du nicht mehr „nach Gefühl“, sondern nach klaren Budgets entscheidest.
- Durch automatische Daueraufträge und Unterkonten laufen Sparen, Investieren und Rücklagenbildung im Hintergrund, ohne dass du jedes Mal Willenskraft brauchst.
- Du siehst sofort: Was ist zum Leben da, was für Spaß, was für Vermögensaufbau und was darf auf keinen Fall angerührt werden (z.B. Steuern).
Das Fundament: Bucket-Strategie (Geldtöpfe)
Die Bucket-Strategie bedeutet: Du gibst deinem Geld klar definierte „Töpfe“ mit Aufgaben, statt alles auf einem Girokonto zu mischen.
Typische Buckets sind:
- Fixkosten (Miete, Strom, Versicherungen)
- Alltag & Spaß (Lebensmittel, Freizeit, Reisen)
- Rücklagen (Notgroschen, Reparaturen, unerwartete Ausgaben)
- Vermögensaufbau (ETF-Sparplan, Tilgung, Investments)
- Steuern (für Selbständige, Unternehmer, Investoren besonders wichtig)
Je nach Lebenssituation sieht die Anzahl der Konten anders aus – aber das Prinzip bleibt immer gleich.
Kontenmodell für Angestellte (3–5 Konten)
Ziel: Stabilität, Lebensqualität und systematischer Vermögensaufbau.
Vorschlag: 3-Konten-Modell (Basis)
Aufteilung vom Netto-Gehalt, Beispiel 3.000 € Netto:
- Konto 1 – Fixkosten (ca. 50%): Miete, Strom, Versicherungen, ÖPNV, Handy
- 1.500 € von 3.000 €
- Konto 2 – Alltag & Spaß (ca. 30%): Lebensmittel, Freizeit, Restaurants, Kleidung
- 900 € von 3.000 €
- Konto 3 – Vermögensaufbau & Rücklagen (ca. 20%): ETF-Sparplan, Notgroschen, Sondertilgung Kredit
- 600 € von 3.000 €
Je nach Situation kannst du anpassen, z.B.:
- 55% Fixkosten, 25% Spaß, 20% Vermögensaufbau
- Ziel auf dem Weg zur finanziellen Freiheit: Vermögensaufbau schrittweise auf 25–30% erhöhen.
Optional: 2 weitere Töpfe (für mehr Klarheit)
- Langfristige Ziele: Urlaub, Auto, Hochzeit, größere Wünsche
- Spenden / Großzügigkeit: Bewusster Anteil für andere (z.B. 2–5%)
Kontenmodell für Selbständige
Ziel: Saubere Trennung von privat und geschäftlich, keine Steuer-Schocks, regelmäßiges „privates Gehalt“.
Mindest-Setup Geschäftlich
Geschäftliche Konten:
- Konto G1 – Einnahmenkonto (alle Kundenzahlungen)
- Konto G2 – Betriebsausgaben
- Konto G3 – Steuerrücklagen (Einkommensteuer, ggf. Gewerbesteuer, USt)
- Konto G4 – Unternehmerlohn (dein „Gehalt“ ins Privatkonto)
Privat nutzt du dann wieder ein Angestellten-ähnliches Modell (Fixkosten, Spaß, Vermögensaufbau).
Beispielrechnung bei 10.000 € Monatsumsatz
Vereinfachtes Start-Setup (kann später optimiert werden):
- 30% Steuern → 3.000 € auf Steuerkonto G3
- 30% Betriebsausgaben → 3.000 € auf Ausgabenkonto G2
- 30% Unternehmerlohn → 3.000 € auf dein privates Konto
- 10% Gewinn / Reserve → 1.000 € auf Gewinn-/Rücklagenkonto
Dein privates Konto sieht dann wieder aus wie beim Angestellten mit z.B. 3.000 € Nettoeingang (siehe oben).
Kontenmodell für Unternehmer (Profit First)
Profit First dreht die klassische Logik um: Umsatz – Gewinn = Ausgaben (anstatt Umsatz – Ausgaben = Gewinn).
Kernstruktur nach Profit-First-Ansatz
- Konto U1 – Einnahmen
- Konto U2 – Profit (Gewinnkonto)
- Konto U3 – Inhabergehalt
- Konto U4 – Steuern
- Konto U5 – Betriebsausgaben
Für kleinere Unternehmen nennt Mike Michalowicz (bis ca. 250.000 USD Umsatz) z.B. diese Ziel-Prozentsätze:
- 5% Profit
- 50% Inhabergehalt
- 15% Steuern
- 30% Betriebsausgaben
Beispiel: 20.000 € monatliche Einnahmen
- 1.000 € auf Profit
- 10.000 € Inhabergehalt
- 3.000 € Steuern
- 6.000 € Betriebsausgaben
Wichtig: Alle 2 Wochen oder 2–4 Mal im Monat verteilst du das Geld vom Einnahmenkonto nach diesen Prozentsätzen.
Kontenmodell für Investoren
Ziel: Klarheit zwischen Cashflow, Reinvestition, Risiko und Chancen-Liquidität.
Sinnvolle Töpfe für Anleger
- Konto I1 – Eingang Dividenden / Zinsen
- Konto I2 – Re-Investment (Wiederanlage in gleiche oder neue Assets)
- Konto I3 – Liquiditätsreserve / Opportunity-Fund (für Marktchancen)
- Konto I4 – Steuer-Rücklage auf Kapitalerträge (falls nicht komplett per Abgeltungsteuer abgegolten, z.B. bei Auslandskonten oder Sonderkonstellationen)
- Konto I5 – Entnahme / Lebensstil (Teil der Erträge, den du dir bewusst auszahlst)
Beispiel: 500 € monatliche Netto-Dividenden/Erträge
- 50% Re-Investment → 250 €
- 20% Opportunity-Fund → 100 €
- 20% Lebensstil → 100 €
- 10% zusätzliche Steuerreserve / Sicherheit → 50 €
Je näher du der finanziellen Freiheit kommst, desto höher darf der Entnahme-Anteil sein, während Reinvestitionen sinken.
Praxis-Tipps: Welche Bank ist sinnvoll?
Wichtige Kriterien:
- Mehrere Unterkonten / Pockets möglich
- Eigene IBANs pro Unterkonto (für Lastschriften, Daueraufträge)
- Gute App, einfache Daueraufträge, schnelle Umbuchungen
- Schnittstellen zu Buchhaltungs-Tools (für Selbständige/Unternehmer)
Beispiele:
- N26: Bis zu 10 „Spaces“ (Unterkonten), teils mit eigener IBAN; Karte kann direkt mit einem Space verknüpft werden, inklusive automatischer Sparregeln und Aufrundungsfunktion.
- C24 Bank: Mehrere kostenlose Pockets (Unterkonten), je nach Kontomodell bis zu 20 Pockets verfügbar.
- Neo-Banken für Business: Häufig mehrere Unterkonten und Export-Schnittstellen (CSV, DATEV), ideal für Profit-First-Setups.
